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Projekt "Schiff ahoi!"

Es ist so weit. Ich habe mir ein Boot zugelegt. Es ist ein Sportmotorboot aus der englischen Picton Werft. Die 70PS-Motorisierung sollte für unsere zukünftigen Wassersportideen ausreichen. Das 93er Baujahr sieht man dem Schiff dank der guten Pflege des Vorbesitzers nicht an.

ToDo Liste

Trotz des guten Zustandes, möchte ich dem Boot ein Upgrade auf den Stand der Technik verpassen:
  • Unterwasserschiffsanierung
    • Fehlstellen spachteln
    • Epoxidschicht für Osmoseschutz
    • Antifouling gegen Bewuchs
  • Auf Deck
    • Schlauchleitungen
    • Anti-Rutsch
    • Beleuchtung
  • Elektronik
    • Öltank Ölstandswarnung
    • Tachometer Retrofit
    • Boardcomputer
    • Musikanlage

Unterwasserschiffsanierung

Die große Herausforderung ist es den kompletten Unterwasserbereich in einem Stück zu bearbeiten. Da das Schiff auf einem Trailer steht, sind die Stützstellen auf denen der Rumpf aufliegt nicht erreichbar. Der erste Treffer im Internet war das Boot auf Reifen abzuslippen und dann mit Flaschenzügen auf die Seite zu legen. Nach Maßnehmen und Anwendung von Pythagoras war klar: Das Platzangebot meiner Garage ist nicht ausreichend. Eine Nacht drüber geschlafen, brachte die Lösung: Ein Holzgestell, an dem ich das Schiff anhänge. Dazu wird der Motor demontiert und die Montagelöcher am Spiegel als Anschlagpunkte genutzt.

Abgeplatzte Stellen, kleine Risse und osmoseverdächtige Blasen werden ausgeschliffen und mit einem Epoxydspachtel repariert. Anschließend wird der Unterwasserbereich entlang der Wasserlinie mit einem Laser markiert und abgeklebt.

Osmoseschutz

Nach anschleifen des Gelcoats wird die erste Schicht Osmoseschutz aufgetragen. Die nächsten fünf Schichten folgen in Tagesabständen. Es werden die Farben grün und grau alternierend aufgetragen. Die gewünschte Schichtdicke wird durch Verwendung einer Ziegenhaarrolle erreicht.

Antifouling

Anschließend werden zwei Schichten Antifouling aufgetragen. Ein Antifouling sollte auf das Gewässer abgestimmt sein um einen optimalen Schutz vor Bewuchs zu gewähleisten.
Sobald die Schichten ausgehärtet sind, kann das Abklebeband entfernt werden.



Auf Deck


Im Bereich der Trittfläche vor der Badeleiter soll die Rutschgefahr durch Auftrag einer rauen Beschichtung minimiert werden. Die Fläche wird entsprechend der Kontour abgeklebt und angeschliffen. Lackiert wird mit einem Einkomponentensystem auf PU-Basis. Die entstandene Oberfläche ist mit einem Schleifpappier der Körnung 240 Korn/mm² zu vergleichen und bietet damit ausreichend Halt.




Beleuchtung

Da ich in Sachen Elektronik das Boot noch etwas updaten möchte, müssen wegen der geringen Leistung der Lichtmaschine von gerade mal 6 Ampere bei 12 Volt Verbraucher, die historisch bedingt ineffektiv sind, durch moderne ersetzt werden. Die Innenbeleuchtung wird durch eine LED-Leiste ersetzt. Hinter den Seitenverkleidungen versteckt, bietet diese Variante eine angenehme indirekte Beleuchtung. Eine ausreichende Helligkeit wird mit etwa 1A bei 12V erzielt. Selbst bei voller Lichtleistung wird der Stromverbrauch von ursprünglich 2A auf 1,5A reduziert.
Das Fahrlicht ist ebenfalls mit energiesparender LED-Technik ausgerüstet. Da es aber für selbstbauten keine BSH-Zulassung gibt sind die umgebauten Leuchten natürlich nicht am Schiff verbaut.

Elektronik


Nach dem Motto: "Altes raus, Neues rein!" wurde unter Ausschluss des Motorkabalbaumes die gesamte Elektrik gegen zeitgemäße Komponenten ausgetauscht.

Instrumente




Die Originalen Anzeigen für Geschwindigkeit, Motordrehzahl, Tank und Trimm sind teilweise mechanisch aufgebaut. Ein Satz Instrumente, der meinen Vorstellungen entspricht und zum Boot passt, ist am Markt nur zu unverschämten Preisen zu finden. Was bleibt da? Selbstbau! An dieser Stelle möchte ich auf mein Projekt 3D-Drucker verweisen, den ich aus diesem Anlass gebaut habe. Die Zeigerinstrumente basieren auf Kreuzspulinstrumenten, welche über Microcontroller angesteuert werden. Der Testaufbau auf einem Steckbrett und ersten Recherchen zeigte, das die Ansteuerung recht aufwändig ist. Zwei 90° zueinander versetzte Spulen bilden einen magnetischen Kraftvektor, der den Winkel des Zeigers beeinflusst. In der Software des Kontrollers generieren Sinus- und Cosinusfunktionen den jeweiligen Spulenströme um den entsprechenden Wert anzuzeigen. Die Geschwindigkeit wird anhand einer Staudruckdüse und einem GPS-Empfänger gemessen. Beide Signale werden mit einem Kalman Filter gemischt.

Tank, Trimm, Batterie und Motortemperatur werden mit LED-Balkenanzeigen dargestellt. Der Aufwand hier auch noch Zeigerinstrumente zu fertigen ist zu hoch und auch das Platzangebot in der Instrumententafel ist zu gering.

Boardcomputer

Anzeigen wie Energiebilanz, Ölstand, Luft.- und Wassertemperatur werden auf einem kleinen selbst entwickelten Boardcomputer angezeigt. Der Computer basiert auf einem Raspberry PI 2 mit einem SPI-LCD. Analog zu den Instrumentengehäusen ist auch das Boardcomputergehäuse selbst entworfen und 3D gedruckt. Die Applikation ist in Java programmiert. Weiter verfügt der PI über einen Bluetooth USB-Stick und kann einen Audiostream auf einer USB-Soundkarte ausgeben.

Instrumententafel

Die ursprünglichen Bohrungen für die originalen Instrumente wurden ausgeschnitten und mit einer passend für die neuen Instrumente gefrästen FR4 Epoxy-Platte ersetzt.

Echolot

Nach Sondierung des Marktes fiel die Wahl des passenden Gerätes schwer. Nur ein Konzept hob sich von den übrigen Geräten ab: Das Sonarphone. Das Gerät besteht aus dem Geber und einer kleinen "Blackbox", die einen W-LAN Hotspot eröffnet. Das Sonarchart wird dann auf dem Smartphone oder Tablet angezeigt. Ein weiterer Vorteil ist die direkte Einbindung in eine Navigationssoftware.

Grundsanierung Winter 2015/2016

Nach einer wunderschönen Saison 2015, bei der das Wetter durchweg super war, haben wir aus den gesammelten Erfahrungen auf Wasser einen Plan für weitere Umbauten in den Wintermonaten gemacht.

Boden

Die Auslegware im Bodenbereich ist besonders beim Wasserskibetrieb viel Feuchtigkeit ausgesetzt. Wir haben uns für einen neuen Bodenbelag aus Kork entschieden. Nach entfernen der alten Auslegware wurde ein Teil des Grundplatte wegen Verzug durch Feuchtigkeit ausgetauscht.

Kork



Die Korkpanele wurden im CAD geplant und anschließend mit der CNC-Fräse gefertigt. Um den Aufwand bei der Verlegung so gering wie möglich zu halten werden die Nuten direkt in die Korkpanele eingefräst. Bei der traditionellen Bauweise hingegen werden einzelne Leisten geschnitten und mit definierten Abständen verlegt. Die Fugen werden mit Malerkrepp abgeklebt und mit PU-Dichtmasse aufgefüllt. Anschließend wird die Korkfläche mit einer wasserfesten und UV-Stabilen Versiegelung behandelt.

Rücksitzbank

Ursprünglich musste das Rücksitzpolster angehoben werden, um an die darunterliegenden Fächer zu gelangen. Die Rücksitzkonsole wurde mit drei Schubfächern neu konstruiert. Die beiden äußeren Fächer sind mit Radiallüftern belüftet. Hier finden feuchte Seile und der Anker platz. Das mittlere Fach ist ein Kühlfach.

Tank

Für den Wasserskibetrieb ist es wichtig möglichst schnell beim Start ins gleiten zu kommen. Damit sich der Bug nicht so stark aus dem Wasser hebt, wurden die Batterie und der Tank in die Bugspitze verlagert. Da auf dem Markt kein Tank in spitzer Bugform verfügbar ist, haben wir einen aus Edelstahl kunstruiert, die Bleche als Zuschnitt bestellt und zusammengeschweist. Der neue Tank ist zusätzlich mit Tankschaum ausgefüllt um das schwappen des Kraftstoffes zu minimieren.

Laderegelung

Der Generautor des Aussenboardmotors verfügt über keine Laderegelung. Die Batteriespannung stieg bis auf über 17V an. Abhilfe schafft nun das "intelligente" Kühlfach in der Rücksitzkonsole. Steigt die Batteriespannung über 14,4V schaltet es sich ein und hält über einen PI-Regler (der die Leistung des Kühlfaches stellt) die Bordspannung konstant.

Das Resultat